KategorieAngeflogen werden

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1 Er hat Pilze gefunden, weil er keine Pilze gesucht hat.

2 Nur ein einziges Mal spricht meine Tante so: „Ich werde nicht gesund und ich hab eine Hoffnung, ein Gegenüber, das die Tragödie sieht, das Gefängnis meines kranken Körpers. Jemanden, der mir versichert, dass der Sinn des Ganzen nicht ganz verborgen ist, jemanden, der die Idee hat, dass alles Eins ist.“

3 Es ist schön, dass wir einander kennengelernt haben!

4 Im Warteraum vor der Ambulanz. Der Eine: „Hier zahlt man 25 Euro, wenn man die Parkuhr nicht stellt oder die Zeit übersieht!“
Der Andere: „Da hab ich beim Schnapsen öfter schon mehr verloren!“

 5 Es gibt keine Pflicht zu leben. Die Frau stürzt sich von der Autobahnbrücke in den Fluss. Für diesen Akt fährt sie über 50 Kilometer Richtung Süden, weit außerhalb ihres Gemeindegebietes. Es hätte auch daheim Möglichkeiten gegeben. Ihr Mann ist bei der  örtlichen Feuerwehr, sie wollte nicht, dass er sie findet und bergen muss.

6 Mit Wortlücken leben zu lernen und mit zunehmender Sehschwäche und es damit wettzumachen, immer weniger hören zu müssen. In einem derartigen Wandel begriffen zu sein heisst, den Heiligen Antonius zur Wegbegleitung einzuladen und jedes Gestern mit dem schönen Titel „Tag der verlorenen Dinge“ zu bekrönen.

Aufwachen

 

1 Ein Aufwachen, ein Morgen, ein Licht. Ich arbeite nach meinen Kräften. Das Wichtigste zuerst. Das Zweitwichtigste gar nicht mehr.

2 Mein einsames Nexing im Frühjahr 2020: Fünf Wochen lang die 14 Teiche abschreiten. Sie umrunden und die Zwischenstege erkunden. Begleitet von Enten und zwei Graureiherpaaren. Einander ähnelnde Vogelstimmen hören. Wechselhaftes Wetter erleben. Die bewegten Spiegelungen betrachten. Tag für Tag die gleichen Wege nehmen. Das Auf- und Abblitzen der Blüten frühlingserweckter Bäume und Sträucher verfolgen. Einmal fährt ein leise knatterndes Boot über den großen Teich. Der Steuermann streut Fischfutter ins Wasser. Der Grannenkirschbaum mit seinen großwolkig duftenden Rosetten. Weit leuchtet er von einem Ufer zum anderen.

3 Der Freund kündigt sein Erwerbsarbeitsverhältnis. Gesundheitsanstalten fordern ihren Tribut. Aus dieser Erfahrung heraus und aus dem Wissen, dass nur im Gehen die Dinge ins Rollen kommen, wird er sich einen neuen Job als Teichgeher suchen. Oder als professioneller Pilger. Sein Plan wird aufgehen, weil er Sinn macht und weil dadurch das Aufstehen am Morgen zum reinen Vergnügen wird.

4 Wir stellen uns vor: Händewaschen ist Vorschrift – aber es ist kein Wasser da!