Bedrängnis

1
Es stört mich, dass  gerade jetzt, wo ich frisch angerichtet mit meinem Laptop und der Tasse Kaffee zwischen den Wein-Zeilen im Weinberg sitze und über die Hügellandschaft blicke, der Nachbar mit dem Traktor durch seinen Acker fährt, Staub aufwirbelt, weil es schon lange nicht geregnet hat . Nachdem er wieder weg ist, bin ich noch da, mit einer feinen Erdschicht überzogen.

2
Tagtäglich bin ich gefordert, die sozialen Situationen, an denen ich teilnehme, aufzuwerten.

3
Sagt mir ein Patient ein paar Stunden vor seiner Beinamputation: „Es ist leichter ein Kalb zu gebären, als den Dreck aus meinem Darm loszuwerden.“

4
Bis vor einem Jahr hatte das Krankenhaus die Atmosphäre eines Gefängnisses. Mit ein paar wenigen Maßnehmen ist sie hergestellt: Sofort nach der Aufnahme bekommst du ein Nachthemd – ob wohl es noch früh am Morgen ist. Sofort bekommst du möglichst wenig Infos .Sofort wird Dir eine Nadel gesetzt und Deine Bewegungsfreiheit auf ein Minimum eingeschränkt. Sofort bekommst Du eine Namensschlaufe mit Registriernummer um das Handgelenk gebunden.
Seit dieser Krise ziehe ich an jedem Arbeitstag in den Krieg und die Maßnahmen bis vor einem Jahr gleichen Lappalien.

5
Es trägt sich zu, gesagt zu bekommen: „Ich frag Dich da jetzt nicht, wer damit gemeint ist…“
Da ist mir diese Aufforderung schon lieber: „Überraschen Sie mich!“

6
Es fällt mir immer schwerer, das halbe Jahr Zwielicht (dieses schöne Licht!) und Dunkelheit auszuhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.