Autormartha

Zähne


1
Sie haben sich geküsst, bis ihnen die Zähne wehtaten.
Sie stellt Rosen ein und gibt kein Wasser dazu, damit sie schnell und schön verwelken.
Sie steht um 6 Uhr auf, um eine Flasche Champagner zu trinken und anschließend Musik zu machen.
So machen das die anderen also. …
Und ich? Ich wache auf und weiß, dass wir heute gemeinsam frühstücken werden. Das ist mein Tagesglück.

2
Wir sind halt schon ein bisschen zu alt für diese Unibälle. Obwohl mich das Kleid, das mir die Schwester genäht hat, fliegen lässt, und obwohl der Donauwalzer, gespielt von den Klangviertlern, ein Genuss ist. Ich bin träger geworden. Stil und Freundlichkeit allein machen noch keinen schlanken Fuß; die politische Lage macht auch schwer. Es fühlt sich fürchterlich an, einen Dreckskerl an der Spitze der stärksten Partei zu wissen und trotzdem leichtfüßig über das Tanzparkett zu swingen. Die Fähigkeit, auch das Schreckliche in Sprach zu fassen und dadurch ein Stück Kontrolle zurückzugewinnen, ist nur ein schwacher Trost.

3
Sie ist unglaublich leicht durchschaubar und trotzdem gelingt es ihr, mich emotional auszusaugen, bis in meine kleine Zehe hinein. Und heute steht sie wieder einmal kurz vor einem hysterischen Supergau. „Bin ich eine komplizierte Person?“, fragt sie mich in einem kurzen Aufleuchten von Selbstzweifel. „Nächste deppate Frog!“, denke ich mir frei nach Günther Neukirchner und unfähig, mein dickes Nervenkostüm abzulegen und laut zu schreien: „Ja!!!!!!!!“

4
Das Direktionszimmer, das ist der Raum, den ich bis heute wie ein ungeladener Gast mit frostigem Respekt betrete…

Paradies


1
Mia hom goarbat, mia tan ned schlofn! Frühstück gibt`s den ganzen Tag!

2
Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden.

3
Wohin ist mein Liebster veschwunden? Wie es war, als ich an nichts anderes denken konnte, als an ihn – das war auch schön.

4
Die patriarchale Mutterrolle entlarven wir ja, aber das Bild der eigenen Mutter sitzt so tief, dass wir ihr nicht auskommen. Es mag helfen zu wissen, dass Männer und Frauen zu gleichen Teilen dafür verantwortlich dafür sind, dass wir so sind, wie wir sind. Ja, und wir selbst haben hoffentlich auch ein bisschen mitzureden.

5
Jeder Mensch, dem du begegnest, ist ein Aspekt von dir selbst, der nach Liebe verlangt.

6
Große Literatur bedeutet nicht einfältige Widerspieglung sondern kunstvolle Verwandlung ewiger irdischer Fragen. Ich warte auf Eingebung! Meine einzige kulturelle Intervention kann doch nicht das Binden eines Adventkranzes sein!

Rauchwolke


1
Ein Gedanke fliegt am Morgen wie eine Rauchwolke vorbei, eine ganz helle, kaum sichtbare: vielleicht denke ich viel zu sehr nur an uns und lasse so viele andere Menschen um mich links liegen.
2
Sie spaziert mit mir durch die Stadt. Vor dem Supermarkt treffen wir einen Obdachlosen. Er ist einer von sechs im Städtchen. Für zwei von ihnen hat sie schon ein Winterquartier gefunden. Dieser eine meint, sie solle ihm einen guten Schlafsack besorgen, damit er auch im Freien übernachten kann und nicht am Bahnhof. Sie spricht mit ihm sehr pragmatisch, klar und auf Augenhöhe. Sie nähert sich mir mehr und mehr.
3
Ich bekomme rote Schuhe aus Venedig geschenkt.
4
Sie sagt mir, dass meine zeitweilige Manie, die mich dann in die Erschöpfung treibt, nicht so schlimm ist. Ich sei doch Künstlerin. Und die leben eben so. Das ist sehr großzügig von ihr gesprochen!
5
In der Portiersloge tauschen wir einige Geschichten über den verstorbenen Krankenhauspfarrer aus. Er war zeitlebens ein Grenzgänger. In seinen sehr späten Jahren hat er Obdachlose in der Sakristei versteckt und diejenigen, die ihn ständig um Geld angepumpt haben, mit seinem letzten Hemd unterstützt. Er hat Autofahrten als Geisterfahrer auf der Autobahn überlebt und ständig andere Autos beim Ein- und Ausparken beschädigt, ohne es zu bemerken. Er glaubte an die Existenz Gottes und an ein Weiterleben im Paradies. Er hat an ein leidenschaftliches und kompromissloses Leben geglaubt. Den Portieren hat das getaugt.
6
Ist der Mensch erst am Sterbebett gut? Der Mensch ist erst am Sterbebett gut.
7
Musik, die im Nebenbei im Raum schwebt …

Meidung


1
Bei den Amischen gibt es die sogenannte Meidung. Wenn ein Mitglied gegen ein Gesetz verstößt, wird es gemieden.
So weit möchte ich es nicht kommen lassen.

2
Ironie, Humor und Gleichmut helfen dabei, eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber der weitverbreiteten gesinnungsängstlichen Konformität zu bewahren. Eine weitere Möglichkeit ist die Flucht. Wohin es für mich gehen soll, ist dabei ungeklärt.

3
Ich versuche ab nun, das Wort „Diversität“ wieder aus meinem Wortschatz verschwinden zu lassen. Der Begriff „Differenz“ bringt viel deutlicher zum Ausdruck, dass wir alle individuell sind und aß wir gerne so gesehen werden. Und es hält verbal den nötigen Respektabstand zu meinem Gegenüber.

4
Sobald sie unser Haus betritt, wird hier alles fröhlicher, obwohl sie dafür Psychopharmaka benötigt. Diese Hilfsmittel sind eine Form von Unbeugsamkeit.

5
In der Sauna werden die Gespräche intensiver. Zum Beispiel darüber, wie die Einbettung der KI gelingen mag. Zum ersten Mal haben Eliten Angst vor dem technischen Fortschritt, nicht das sogenannte „Volk“. Wir sprechen darüber, welches Gefühl das stärkste ist, zu dem der Mensch in der Lage ist. Ist es die Angst oder die Liebe? Ich tendiere zur Liebe, vorausgesetzt man akzeptiert, dass der Mensch nicht von Natur aus gut ist.
Wir essen gemeinsam, weil allein zu essen echt fad ist.

5
Ich liebe Sie, fliegen Sie!

6
Das eine Wort trägst du in dir, ganz an dein Herz

Überweltlich


1
Ihr Besuch lässt mich verstört zurück. Sie ist dem Tod schon sehr nahe. Ich möchte ihr Trost nachschicken und etwas Weiches, Warmes. Ich möchte mich damit trösten.
2
Also, was bleibt? – Sicherlich der Moment der Hingabe!
3
Dass die Mölltaler Verwandten für ein paar Tage in Wien weilen, ist für uns alle irgendwie aufregend. Wir sind vor allem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und gehen viel zu Fuß. Wir tragen ein bisschen dick auf mit dem „Speisen ohne Grenzen” am Yppenplatz. Ute Bock hat es möglich gemacht, und der Vorspeisenteller, den wir dort essen, schmeckt wunderbar Wir sind guter Laune und Integration ist plötzlich kein Thema mehr.
4
Der Freund aus Südtirol bringt unsere eigene, energiegeladene Kindheit zur Sprache: „Da war doch auch so viel los und wir haben es locker geschafft, glücklich zu sein … wenn ich einen bunten Abendhimmel sehe, denke ich an die Kindheit. Wir alle denken mittlerweile gerne an diese scheinbar unbeschwerten Tage zurück. Und wie provinziell das alles war! Und wie gerne hätten das alle auf der Welt wieder, dieses Provinzielle!“
5
Amerika macht mich fertig. Also, Trump, das macht mich richtig fertig.
6
Angst, Schmerz, Traurigkeit … das sind doch noch keine Krankheiten, sondern Gefühle, die zu einem erfüllten Leben gehören! Ich empöre mich über die Pathologisierung des Lebens.
7
Wie wäre das denn, wenn es ehrenamtliche Psychologinnen und Psychologen gäbe?
8
Ich funktioniere und freue mich darüber.
9
Wie wäre es, meine Aufgabe im Leben so zu sehen, ganz hinten zu sitzen und auf niemanden Eindruck machen zu müssen? Niemandem etwas verkaufen zu müssen. Mir nicht einmal die Haare kämmen zu müssen. Ein Leben in größtmöglicher Freiheit zu verbringen?

Rhythmus 2


1
Am Abend spazieren wir durch den Kreuzgang und den ihn umschließenden Klostergarten. Wir drehen drei Runden. Der Kapitelsaal ist bereits dunkel, nur ein leichter Lichtschimmer dringt durch die farbenprächtige Glasfenster-Rosette. Der Brunnen, die namensgebende Zisterne, ist jedoch das größte Faszinosum. Am Tag wie in der Nacht. Er ist ein Kunstwerk, ein spiritueller Anziehungspunkt, eine Ode an die Natur, ein lebendiges Schauspiel.
2
„Zwei Buttersemmeln jeden Morgen zum Frühstück, sonst würde mir was abgehen!”, sagt der Mann in der Bäckerei zur Verkäuferin.
3
Rhythmus = Morgenübungen. Leberfasten. Körperbetontes Wandern. Schreiben.
Rhythmus = Wirklichkeit. Schlaf. Traum.
Rhythmus = Liebe. Trost. Ein Du. Liebe. Trost. Ein Du.
Rhythmus = gegen die Zeit leben. Aus der Zeit fallen. Die Zeit vergessen.
4
Im Magazin lese ich von Laura Ingalls Wilder, die ihr erstes Buch mit 65 Jahren veröffentlichte. Um mich an ihr zu orientieren, bleibt für mich nicht mehr allzu viel Zeit.
5
„Nimm doch meine Gehilfen mit ins Bett!“, das wünscht er sich, mein verspielter Mann.
6
Ich bin auf dem Weg vom Berg ins Städtchen. Ein Polizeiauto bleibt neben mir stehen. Zwei Polizisten sitzen darin. Einer öffnet das Fenster und fragt mich, weshalb ich so entspannt in die Landschaft ausschreite. So geschehen am Fuße des Muckenkogels.
7
Das tut schon gut, dass ich ein bisschen raus komme aus meiner Dorfblase.
8
Listen helfen.

Gewicht


1
Die Anstrengung der Trauerrede ist vorbei. Worte haben Gewicht, wenn man es ihnen gibt. Ich weiß mittlerweile, dass ich dazu in der Lage bin aber es ist gut, sich dessen ab und zu zu vergewissern.
Ich kann das, und ich finde es effizient, mit relativ großem Einsatz eine große Menschenschar im Inneren zu erreichen. Da geht meine Überheblichkeit mit mir durch. Wenigstens kostet es mich was!

2
An der Führung durch die Ausstellung im Dommuseum finde ich Gefallen, obwohl sie nicht tiefgreifend auf mich wirkt.

3
Ein Mittagessen mit Freunden. Es hat sich in den vergangenen 20 Jahren was verändert: Alle nehmen ab bzw. haben extrem abgenommen. Das Schlanksein der Intellektuellen. Alle haben Angst vor den neuen Politikern. Die eine Freundin zockt seit geraumer Zeit. Und zwei andere Freunde unterbrechen stets, wenn wir Frauen am Tisch reden. Das hat allerdings Tradition. Wahrscheinlich reden wir Frauen so langweiliges Zeug.

4
Er trägt mich auf Händen. Wie schwer bin ich?

5
Ich habe viel zu wenig Energie für all das, was ich noch tun und schreiben und lesen und lernen möchte. Zum Beispiel die 88 Sternenbilder zu erkennen oder mithilfe von Duolingo Italienisch zu üben, ohne von der App beschimpft zu werden.
Ich habe außerdem viel zu wenig Energie für all das, was schon war. Sirius, Wega, Arktur, Deneb, Aldebaran.

6
Hikikomori bezeichnet einen Trend in Japan, sich voll in die Einsamkeit zurückzuziehen. Das ist konsequent.

7
Wovon ich wirklich lebe, was mich im Tiefsten nährt, schenkt sich mir freigiebig wie von selbst. Der Schatten des Baumes, der Apfel, der mir in den Schoß fällt, der Zauber des Abendhimmels, die Hand auf meiner Schulter, das Schweigen das für immer gilt…

Ordnung


1
Aus: Thomas Bernhard, Einfach kompliziert: „Wir existieren nur wenn wir sozusagen der Mittelpunkt der Welt sind.“

2
Leibhaftige Bewusstheit. Präsenz.

3
Das Begräbnis des Nachbarn ist ein kleines Fest. Zum Totenmahl werden wieder einmal Zuckerkipferl serviert. Das ist schon selten geworden, und ich finde es schön. Trotzdem ist mir dabei unwohl, weil ich „so früh schon!“ die Tischgemeinschaft verlasse, um nach Hause zu gehen, weil ich genug habe. Alle schauen mich komisch an. Oder schau nur ich komisch auf die Menschen und täusche mich in der Annahme, dass sie der Ursprung alles Komischen sind?

4
Es braucht großen Mut, sich zu zeigen. Niemand zeigt sich gerne unbarmherzig so, wie er ist, niemand wird gerne so gesehen, wie er ist, mit einer nie ganz zu unterdrückenden Tendenz zum Kleinherzigen, zur Überheblichkeit. Aber es ist doch die Wahrheit, und man wird sie nicht los.

5
Beim Gang aufs Klo sehe ich im Vorbeigehen, wie eine Küchengehilfin an ihrer Unterhose herumfummelt – und das mitten in der Wirtshausküche! Sie erschrickt, als sich unsere Blicke treffen.

6
Manche Leute nehmen sich einfach, was sie brauchen, indem sie gegenüber Eindringlingen ihre Ellenbogen benutzen. Es ist die Magie von Autorität, Geld, Penissen.

7
Ein „In-den-Tag-hineinleben“ gibt es nicht mehr, denn die Einflüsse auf unsere Gehirne sind mittlerweile sehr komplex. Wir haben praktisch Zugang zu allem und müssen auf kaum etwas mehr warten. Bücher, Lieder, Filme … Alles ist sofort verfügbar. Wie soll man da mit der Zeit zurechtkommen? Und diese ganzen Festivals und aalglatten Partys in Grafenegg, Lunz, Litschau und so weiter. Und solche, die spontan aus dem Boden schießen, gibt es kaum noch – oder höchstens einmalig. Bei der Wiederholung ist alles schon wieder glänzend oder verboten, weil es den vielen gesetzlichen Auflagen nicht gerecht wird.

8
Was war noch heute? Nichts, was ich für erwähnenswert halte.

foto: Lea Linhart

Harmoniesucht


1
Im Bahnhof von Mistelbach sitzen und auf den Zug warten. Die Bänke im Warteraum hier sind auch nicht bohemien- und sandlertauglich. Der Bahnhofkiosk hat schon lange geschlossen und der dafür vorgesehene Raum hat immer noch keinen alternativen Zweck gefunden. Er ist leer, es gibt offene Elektrobüchsen und die Kabel hängen aus der Wand. Der Boden wird nicht gereinigt. Ich sehne mich nach einer Tasse Kaffee.

2
Heute spüre ich ganz deutlich, wie sehr ich auszugleichen versuche, während sich die beiden anderen unseres Dreiergespanns kaum um Kompromisse bemühen. Sie verlassen sich auf meine Harmoniebedürftigkeit. Dem will ich mich entziehen. So weit wie möglich. Was kümmern mich die Konflikte anderer!

3
Meine Schwester lässt sich am Straßenrand auf einer schwach befahrenen Landesstraße 50 Euro abknöpfen. Die britische Familie scheint zu herzergreifend echt: eine weinende Frau, ein weinendes Kleinkind, ein engagiert jammernder Vater. Daheim angekommen, hört sie in den Medien, dass solche Betrüger unterwegs sind.

4
Beim Krankenhaus Lilienfeld gibt es Extraparkplätze für Leitungspersonen. Das ist in Mistelbach auch so. Wenn ich so etwas sehe, möchte ich am liebsten nach Schweden oder Dänemark auswandern.
Dort gibt es diese verrückten hierarchischen Frechheiten nicht.

5
Wie geht das, meinen Charakter so zu festigen, dass er von keinem Menschen beleidigt und herabgesetzt werden kann? Derart ausgestattet wäre ich dann vielleicht frei von Ärger und Wut? Zum Beispiel auf Golfrasen?

6
Wir reden über unsere Sommerfrischen in unserer Kindheit. Also, alle anderen reden. Ich hör zu. Immer, wenn ich mir etwas denke, das passend dazu zu sagen wäre, kommt schon ein nächste Gesprächswendung daher und meine Geschichte passt nicht mehr.

7
Indifferent, dieses Wort ist nicht in meinem Wortschatz verfügbar. Ich treffe einen Mann, für den genau diese Bezeichnung zu passen scheint. Ein Freund hilft mir, den richtigen Begriff dafür zu finden. Sowohl der Mann als auch Indifferenz sind mir suspekt.

8
Traismauer. Kaffeehaus. Zwei Kellnerinnen und ein Mann unter sich. Ich sitze am Nebentisch und höre ganz deutlich, was die miteinander reden: „Du trägst ja keine Unterhose!“, sagt die eine zur anderen, die keine Unterhose unter dem kurzen, schwarzen Strickkleid trägt. „Natürlich trag ich eine Unterhose!“

Regression

1
Vom Almgasthaus, in dem wir noch ein Abendessen bekommen (die Küche ist nur bis 18 Uhr geöffnet), wandere ich nach Lilienfeld. Das sind knapp vier Kilometer. Auf dem letzten Kilometer beginnt es heftig zu regnen. Ich suche Schutz unter dem Schirm eines großen Nussbaumes. So nahe am Stamm wie möglich, spüre ich, er bietet echten Schutz. Ich bin schon ein sehr degeneriertes Kind, die Natur quält mich zu oft, und ich vertraue mich ihr kaum mehr an.

2
Der Mühlbach vor dem Zimmerfenster rauscht so, wie das Bacherl, das ich durch das Fenster meines Jugendzimmers gehört habe.
Die Triesting ist zu wild für unser kleines Paddelboot. Wir folgen dem Geheimtipp des „Goodgirls“ von der Rezeption im Stift – also auf ins Naturbad Türnitz! Nachdem der Mann an der Kasse sein Kreuzworträtsel gelöst hat, kann er endlich freundlich sein. So freundlich, wie man es hier von den Menschen gewohnt ist. In der Zwischenzeit beginnt es wieder zu regnen. Es ist warm. Im strömenden Regen schwimmen. In einem wogenden Meer von Seerosen liegen. Was für ein Wohlgefühl

3
Beim Spar in Lilienfeld kaufen wir Himbeeren. Ich hatte so großen Appetit drauf. Einen Tag später bei einer Wanderung ganz in der Nähe durchqueren wir in einen Himbeerschlag voller Früchte. Hier scheinen alle die Himbeeren im Geschäft zu kaufen. Sie selber zu pflücken ist aus der Mode gekommen.

4
In der Kleiderschürze meiner Großmutter, fühle ich mich wohl. Sie steht mir sehr gut, auch wenn ich drunter etwas trage.

5
Willi Puchner spricht im Radio von seiner Liebe zur Natur. Von seinem Leben mit ihr. Zu seinem Leben mit der Natur. Seine Katze ist gleichzeitig domestiziert und Symbol für die Natur. Sie tröstet ihn – außer, wenn sie das angepflanzte Gemüse in Form von Schnecken frisst. Das Meer ist seine zweite große Liebe. Er ist ein Wahrnehmungssüchtiger.

6
In meinem kleinen, niedrigen Gartenkeller haben sich die Rotschwänzchen eingenistet. Ich kann auf Augenhöhe ins Nest schauen und mir schauen schwarze Kulleraugen entgegen. Unerschrocken. Im Radio hör ich, dass Rotschwänzchen im Dialekt singen und ihn an die Nachkommen weitergeben!

7
Ich verwende ein neues Shampoo. Es ist gänzlich ohne Zusatzstoffe. Es ist dreimal so teuer wie eines mit Zusatzstoffen. Meine Tochter sagt, beim Wein sei es auch so. Verkehrte Welt.