Vereinsamen


1
Mich zu verschwenden, das macht mir keine Angst. Eher fürchte ich mich davor, zu vereinsamen, vergessen zu sein, bevor ich weg bin.

2
Wir schmieden keine Pläne. Ich bekomme warme Socken und Licht in einem Buch geschenkt. Hoffentlich lassen wir uns in der kurzen Lebensspanne, die wir auf Erden verbringen, niemals mehr außer acht.

3
In einer Welt, die sich verschworen hat, jeden zu einem von vielen zu machen, liegt echtes Heldentum darin, genau und gerade man selbst zu sein. Dann ist man auch nicht allein.

4
Wenn ich lese, füge ich meinem eigenen Leben das Leben anderer Zeiten hinzu. Ich weiß mich in der Gemeinschaft von Menschen vergangener tausender Jahre. Meine Zeit dehnt sich großzügig in die Geschichte hinein aus.

5
Der Sohn beschreibt sein Abschiednehmen, als wir die letzten Dinge seiner Großmutter wegräumen. Ihm fällt es wie Schuppen von den Augen, dass auch er sterblich ist. Jetzt weiß er noch sicherer, dass er Kinder haben möchte – nicht zuletzt, damit es einmal jemanden gibt, der seine Sachen wegräumt. „So egoistisch bin ich!“, meint er.
Familie scheint zu bleiben …

6
Geh täglich mit jemandem für mindestens eine halbe Stunde lang spazieren!

7
Mir ist kalt, und ich rufe nach „Mutti!“, so laut, dass sie mich jetzt sogar einmal am Telefon zurückruft, um nachzufragen, ob es mir schon besser geht. Irgendetwas in mir sehnt sich nach Geborgenheit und Wärme, nach ständiger Geborgenheit und nicht enden wollendem Wohlbehagen.

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