Autormartha

Fleisch


1
Die Tante tischt Wurstbrote auf und reicht mir armenischen Granatapfelwein dazu.
2
Ganz, ganz viele rohe Eier zerschlagen! Am besten auf dem Körper einer geliebten Person.
3
Mein Besuch bei ihr fällt frisch und belebend aus. Sie berichtet von ein paar gescheiterten psychotherapeutischen Begleitungen: „Bitte stell dir niemanden vor“, so beginnt sie ihre Erzählung. Das bewirkt natürlich das Gegenteil bei mir, aber zum Glück fällt mir niemand ein. „Die Mutter meiner Klientin schaut mich nicht mehr an. Dabei hatte ich nur von einer Analyse abgeraten, da diese zu lange dauern würde und dass es einfachere Methoden der Bewältigung gäbe …“
Sie erzählt von einem Lehrmeister, der ihr beim gemeinsamen Mittagessen selbst wie ein von einer Manie geplagter Mensch vorkam. Als sie ihm das rückmeldet, meint dieser bloß: „Ja, manisch, das bin ich schon lange, ich habe nur vergessen, die Medikamente zu nehmen!“
Sie erzählt vom Café Savoy, das untertags zwar plüschig daherkommt aber dezent freundlich im Umgang mit den Gästen ist. Am Abend wird aus dem Café eine Schwulenbar. Sie und ihr Liebhaber wurden von der diensthabenden Oberkellnerin gefragt: „Wie lange seid ihr schon zusammen? Es ist so schön, euch zuzuschauen!“ Das tat der Liebhaberin gut!
4
Nur wenn man vergisst, kann man neu beginnen …

Rasten


1
Auch wenn man es mir nicht ansieht, bin ich ab und zu gerne in großer Gesellschaft. Vor allem singe ich gerne. Das Gegenteil wäre: Bedrückt sein von einem Gefühl der Unbeteiligtheit, des Zurückbleibens, von zerbrochenem Hausrat. So wie die Vase, die mir heute zu Boden gefallen ist und nun in Scherben vor mir liegt.
2
Er erwähnt, dass die Kinder ihn und seine Frau als sehr alt einstufen. Das bedeutet, als nicht mehr ganz zurechnungsfähig und belastbar. Auch das selbständige Denken trauen sie einem nicht mehr zu, die Kinder. Der Sohn fragte unlängst: „Wie lange möchtet ihr denn noch im Geschäft stehen?“ Seine Frau antwortete: “Bis ich tot bin“ Danach herrschte einmal kurzes Schweigen. So geht altersmilde!
3
Könnten meine regelmäßigen Kopfschmerzen möglicherweise nicht auf meinen sehr dezenten Alkoholkonsum, sondern auf eine stetige Alltagsanspannung zurückzuführen sein, der ich nicht mehr gewachsen bin? Das würde mich beruhigen. Ganz auf Alkohol zu verzichten, gefällt mir gar nicht. Ich werde an meiner Entspannung arbeiten!
4
Renovierungsarbeiten an ausgewählten Körperteilen vornehmen.
5
Was allen Menschen gemeinsam ist: Sie erzählen gerne von ihrem Leben, gerne auch sehr detailliert, überwältigt vom Interesse eines anderen und in der Hoffnung auf Verständnis für ihre Sicht der Dinge.
Niemand ist im Besitz der Wahrheit, sondern auf der Suche danach. Diese Suche ist immer das Werk Vieler, die versuchen, nicht in die Irre zu gehen.

Steinbock


1
In Amerika geht es bei allem, was man unter Wokeness versteht, anscheinend in Wirklichkeit um eine Gegenbewegung zum Exodus der Frauen aus dem häuslichen Bereich ins öffentliche Leben. Das wird sich wohl auch in Europa so entwickeln.

2
Die Weinsegnung im Waldgasthaus zu Johannis ist eine wilde Mischung menschlicher Äußerungen und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die Vorsitzende der Veranstaltung empfängt sexy gestylt die Ehrengäste. Der Hauptorganisator ist im Hintergrund aufgeregt und darum bemüht, dass keine Pannen passieren. Gschamster Diener. Es gibt einen strikten Zeitplan. Zwei Frauen führen die Segnung durch, gediegen und ökumenisch. Zwei andere Frauen zitieren Weinsprüche, die unter der Gürtellinie angesiedelt sind. Der Wein fließt, aber nicht übertrieben, da der Wirt schließlich auch mit dem Bier ein Geschäft machen soll. Die Wirtin und der Kellner stehen nervös in den Startlöchern, um das Essen aufzutragen. Dabei handelt es sich um Gans, Rotkohl und Knödel. Die hohe Politik sitzt gemeinsam an einem Tisch. Die Musikanten spielen wie eine Beerdigungscombo und zudem so richtig falsch. Sie bekommen eine extra große Portion Essen, damit sie aufhören. Die Jäger unter den Winzern halten sich heute mit ihrem Latein zurück. Die Nacht ist lang und dunkel.

3
Jetzt möchte auch ich mich einmal über Altersdiskriminierung beschweren: Ich möchte doch auch gesehen werden, ohne lächerlich zu wirken bzw. ohne von den Jungen weggekickt zu werden. Und ich frage mich: Wie muss es meiner Mutter wohl damit gehen?

4
Menschen, die am Sterbebett von der Schönheit einer Kastanienblüte schwärmen, verstehe ich viel besser als diejenigen, die sich um ihr materielles Erbe sorgen.

5
Die Sozialarbeiterin meint pragmatisch: „Wenn du mehr hast, als du brauchst, bau einen größeren Tisch!”

Geburtstag


1
Ich kann während der Bus- und Bahnfahrt nach Wien all die freundlichen Geburtstagsgrüße am Handy würdigen. Das Kaffee Oberlaa am Zentralfriedhof in Wien empfängt mich mit einem Glas Sekt, einer Melange und einem Maronikipferl. Die Gräber von Johanna Dohnal und Barbara Prammer wärmen mich zusätzlich, obwohl sie eher im Abseits liegen.

2
Ein paar harmlose Wolken …?

3
Wenn ich Texte von Viktor Frankl im Radio höre, dann kann ich mich vergewissern, dass ich ein glücklicher Mensch bin. Ein glückliches Leben habe ich auch ohne Viktor Frankls Gedanken.

4
Familien als Schutzräume, in denen sich alle ausprobieren können, mit ihren Gefühlen und Sehnsüchten …. Da müssen sich alle an eine Bedingung halten, dass die Mitglieder in der Lage sind, die Ebene zu wechseln, zu hinterfragen, was gerade geschieht – und warum es geschieht. Sie müssen dazu in der Lage sein, die eigene Rolle zu sehen und darüber hinaus – um in einer spielerischen Ballence zueinander – den gemeinsamen Raum offen zu halten. Je wichtiger die Familie, desto mehr lastet auf ihr… Vor allem kann man in den seltensten Fällen recht behalten – außer man verzichtet auf Beziehung. Und die Vergangenheit aufzuarbeiten: großer Irrtum! Großer Fehler! Die Bemerkung eines Freundes, die Familie könne man ruhig links liegen lassen, reizt mich manchmal richtiggehend!

5
Ich tue es nicht gerne, aber wenn es dir wichtig ist, tue ich es für dich….

6
Wo ich dich wohl jetzt in Gedanken suchen soll?

7
Alle großen politischen Aktionen bestehen in dem Aussprechen dessen, was ist.

8
Leben. Ständig etwas Wichtiges nicht zu wissen.

Neapel


1
Er erzählt mir eine wunderschöne Begebenheit, die er gerade in Neapel erlebt hat:

„Seit einigen Tagen beobachte ich einen Mann, der mich an einen behinderten Mitarbeiter aus seiner Firma erinnert. Er steht vermutlich ganz unten auf der Karriereleiter. Ich entdecke ihn, während ich in der Spelunke auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitze. Er arbeitet in einem kleinen Geschäft. Die schmale Straße zwischen uns ist sehr stark befahren, trotzdem lasse ich mich ganz auf meine Betrachtung ein. Er gefällt mir sehr. Er scheint in diesem Mini-Gemischtwarenladen für alles zuständig zu sein. Der Chef sagt ihm immer wieder Jobs an: Gelieferte Ware einsortieren. (Er hat Stress, wenn eine Lieferung kommt!) Eine Bestellung zur Nonna XY ausliefern. Am Abend zusammenkehren, aufwischen und abschließen. Dazwischen bleibt Freiraum. Er hantiert mit dem Handy. Er liest Zeitung. Er führt Konversation. Er raucht halbstündlich eine Zigarette. An einem Tag der Woche hat er frei.
Ich frage mich, ist er der Schwager des Chefs und seine Frau, die Schwester, hat ihn gebeten, ihm Arbeit zu geben? Ich stelle mir vor, er ist verliebt, hoffnungslos, in eine Donna, die leider etwas schwierig ist. Daher versucht er, etwas Geld zur Seite zu legen, damit er sie dann gebührend überraschen kann. Ich liebe es, mir solche Geschichten auszudenken!
Ab nun komme ich jeden Tag in dieses kleine Lokal gegenüber dem Laden, in dem mein neuer Freund arbeitet. Er weiß nichts davon. Ich beobachte ihn. Ich fotografiere ihn. Ich zeichne ihn. Ich hab ihn sehr gern. Am letzten Tag meines Neapelaufenthalts gehe ich zu ihm und reiche ihm meine Zeichnungen. Jetzt weiß ich, dass er Fernando heißt. Dann verschwinde ich wieder und lasse ihn mit dem Geschenk allein. Ich habe ihn damit doch überrumpelt.
Eine kurze Zeit später holt mich Fernando noch einmal und lässt fragen, ob ich auch seine Bekannte zeichnen könnte. Leider muss ich absagen, denn in ein paar Stunden fliege ich wieder zurück nach Wien. Fernando ist ganz aufgeregt, lächelt mich an und bei der Verabschiedung umarmt er mich mehrmals.
Jetzt hat Fernando etwas, das die anderen nicht haben. Eine Gabe, die nur ihm allein gehört, die ausschließlich für ihn angefertigt wurde und ihn abbildet, ihn zeigt. Und er hat einen neuen Freund in Wien.“

2
Überraschung. Erschütterung. Ver-rückung. Verzauberung. Gesehen zu werden, so, wie man ist … So wird aus dieser Art der Distanzlosigkeit, jemanden ungefragt zu zeichnen und ihm das Bild zu schenken, eine einzigartige Liebeserklärung.

Tau


1
Er wird herabfahren wie der Regen auf die Aue, wie die Tropfen, die das Land feuchten. Psalm 72

2
Die Räume des Klosters sind in gewohnter Weise schlicht und schön. Die morgendliche Rorate im Kapitelsaal wird unter dem Schein von 100 Kerzen- Lichtern gefeiert. Rorate. Tauet. Die Hoffnung auf einen Messias, der daherkommt wie der frische Tau am Morgen. Der Advent ist voller Hoffnungstexte. Nach der Rorate gibt es Frühstück für alle.
Mein Abstand zur Kirche, ist der Tatsache geschuldet, wie sie mit Frauen umgeht. Ein paar wenige Kriminelle und ein paar Dummköpfe haben da sehr viel verbockt. Der Mensch ist zudem  nicht für die Freiheit geschaffen.
Ich bin froh, dass sich ein paar Menschen weiterhin um diese Traditionen kümmern. Kerzenschein. Kirchenräume. Einfachheit. Essen für alle. Die Reichen unterstützen die Armen aus vollen Händen. Grund- und Urvertrauen. Menschenwürde. Gastfreundschaft. All das bleibt in der Geschichte immer wieder und täglich im Dornengestrüpp hängen.

3
Siri Hustvedt hält eine schöne Idee fest: Die Frau trug tatsächlich eine heimliche Vergnüg bei sich. In den Taschen ihres Kleides hielt sie eine subversive Botschaft verborgen, eine erotische Stickerei oder einen schlüpfrigen Gegenstand. Das Kleid war sozusagen eine geladene Geheimwaffe.

4
Im Kaffeehaus dicht hinter mir sitzen alte Menschen und reden über ihre nächste Reise. Diesmal soll es an den Nordpol gehen, nach Spitzbergen zu den Eisbären. Da lässt man sich dann ein Reiseandenken stanzen. Ich frage mich, ob ich mir eine solche Reise in meiner Pension auch leisten kann. Hier wird vorerst einmal locker darüber gesprochen. Wohlstandsverwahrloste Alte, denke ich. Bald gehöre ich auch dazu.

5
Und doch, dachte ich, als ich verrückt war, war ich da ich selbst oder nicht?
Wann wird ein Mensch ein anderer?
Mit kleinen Schritten, wenn er genügend Rückhalt dafür hat und nicht ins Bodenlose sondern nur ins Unbekannte stürzt. Oder wenn er durch die Umstände dazu gezwungen wird? Koste es, was es wolle?
Ihr denkt, ich bin …aber eigentlich bin ich …….

6
Wird es in 1000 Jahren noch Adventlieder geben? Solche, in denen der Schnee besungen wird, der Schein, der vor 3000 Jahren aufstrahlte? Wird es dann noch Menschen geben?

7
Dass du mir nahe bist, macht mich stark. Ps 18

Spinnweben


1
Ihr Mann und Vater ihrer Tochter ist ein waschechter Wiener Peitscherlbua, Würstelstand- und Gasthausbesitzer mit viel Kohle. Zumindest zu Beginn der Beziehung. Sowohl der Beruf als auch die Immobilien sind ein Erbe seiner Eltern. Er fährt ausschließlich mit dem Taxi, da es unter seiner Würde ist, den Führerschein zu machen. Mit der Zeit entwickelt er sich mehr und mehr zum Dandy, Hochstapler, G´schichtldrucker und auf jeden Fall -zum Drogenabhängigen. Zuerst von Haschisch. Danach von Alkohol und Nikotin. In dieser Szene ist es gang und gäbe, mit jedem Sex zu haben und laut darüber zu sprechen. Dazu gehört auch, richtig zugekifft zu sein und am nächsten Tag ausführlich darüber zu sprechen. Der beste Freund ihres Mannes ist Drogendealer und saß dafür schon im Gefängnis. Sie lernte ihn erst kennen, als er wieder freikam. Ein Bär von einem Mann. Tätowiert am ganzen Körper mit zwei fehlenden Schneidezähnen. In dieser Truppe ist sie Außenseiterin, weil sie sich nicht anpasst an die Spielregeln, die so ganz anders sind, als daheim in Polen im relativ behüteten Elternhaus. Sie macht sich große Sorgen, um die gemeinsame dreijährige Tochter, weil sie sie nicht aus den Augen lassen darf, da der Kindsvater oft nicht mehr bei Sinnen ist, um das Kind zu hüten. Er bemerkt nicht, wie sich das Kleinkind selbst die Haare schneidet. Er bemerkt nicht, dass es sich die Finger in der Tür einklemmt, Einmal lässt er es aus lauter Wut einfach auf der Straße stehen und geht weg. Er weigert sich, das Dekret zu unterschreiben, das die Aufenthaltsbewilligung für sie und die Tochter verlängert.

2
Sie hat ihm schon vor Jahren die Scheidungspapiere vorgelegt, weil er zum Hund viel freundlicher war als zu ihr. Das hat eine Kleinigkeit verändert, nicht viel, aber es reicht als Kompromiss. Ab nun spielt der Hund für beide eine große Rolle.

3
Seine Schwester ist mit einem Tyrannen verheiratet, von dem sie nicht loskommt, obwohl alle ihr dazu dringend raten. Sie hat Angst davor, nicht alleine leben zu können oder niemand anderen zu finden, der mit ihr leben möchte.

4
Die beiden haben Hunger. Nach gutem Essen und nach Kommunikation. Sie sind auch bereit, zuzuhören. Wir reden über die letzten Dinge. „Das Sterben kommt eh von allein“, meint sie und fügt hinzu: „Ich beschäftige mich lieber damit, ein gutes Porträt zu malen. Das Wesen eines Menschen in einem Bild einzufangen – damit habe ich bis zu meinem Lebensende eine erfüllende Aufgabe.“ Er fügt hinzu: „Ich bin schon in einem Alter, in dem ich, um eine mir besonders liebgewonnene Melodie zu hören, nicht mehr in den Musikverein gehen oder das Lied im Radio hören muss, damit es mich tröstet. Allein der Gedanke daran tut es.“

Licht


1
Der Blick aus dem Zimmerfenster, an dem mein Schreibtisch steht, macht mich glücklich. Alles ist leicht angefroren und der Herrnhuter Stern leuchtet endlich. War ein Zweijahresprojekt, ihn MIT Lampe, zu installieren. Er gibt sehr warmes Licht.
Ich mag den Reif auf den Pflanzen und die erste Kerze am Kranz. Ich bin eine katholische Romantikerin mit verschwindend katholischem Tiefgang. Von allem das Beste.

2
Glücklich, wer seine Arbeit auch als Spiel sehen kann!

3
Bei meinem Chef warten daheim Frau und Hund auf ihn. Darauf freut er sich, wenn er – angestrengt von der Arbeit – heimwärts wandert.

4
Es ist nicht so einfach, Besitz wegzugeben, auch wenn es angeblich danach leichter wird. Es ist nicht immer leicht, keinen Besitz zu haben. In diesem Fall hat man nichts weiterzugeben. Man hinterlässt aber auch weniger Müll. Konsequent jeden Morgen drei Seiten zu schreiben, ist mir nur ab einer Schriftgröße von 14 möglich. Da ist auch viel Müll dabei.

5
Moralischer Relativismus überall, wohin ich schaue. So tun wir halt miteinander.
Ein Mensch ohne Fuchteln sein.
Ein gerupftes Huhn sein.

6
Ein kontemplatives Leben führen …

 

Zähne


1
Sie haben sich geküsst, bis ihnen die Zähne wehtaten.
Sie stellt Rosen ein und gibt kein Wasser dazu, damit sie schnell und schön verwelken.
Sie steht um 6 Uhr auf, um eine Flasche Champagner zu trinken und anschließend Musik zu machen.
So machen das die anderen also. …
Und ich? Ich wache auf und weiß, dass wir heute gemeinsam frühstücken werden. Das ist mein Tagesglück.

2
Wir sind halt schon ein bisschen zu alt für diese Unibälle. Obwohl mich das Kleid, das mir die Schwester genäht hat, fliegen lässt, und obwohl der Donauwalzer, gespielt von den Klangviertlern, ein Genuss ist. Ich bin träger geworden. Stil und Freundlichkeit allein machen noch keinen schlanken Fuß; die politische Lage macht auch schwer. Es fühlt sich fürchterlich an, einen Dreckskerl an der Spitze der stärksten Partei zu wissen und trotzdem leichtfüßig über das Tanzparkett zu swingen. Die Fähigkeit, auch das Schreckliche in Sprach zu fassen und dadurch ein Stück Kontrolle zurückzugewinnen, ist nur ein schwacher Trost.

3
Sie ist unglaublich leicht durchschaubar und trotzdem gelingt es ihr, mich emotional auszusaugen, bis in meine kleine Zehe hinein. Und heute steht sie wieder einmal kurz vor einem hysterischen Supergau. „Bin ich eine komplizierte Person?“, fragt sie mich in einem kurzen Aufleuchten von Selbstzweifel. „Nächste deppate Frog!“, denke ich mir frei nach Günther Neukirchner und unfähig, mein dickes Nervenkostüm abzulegen und laut zu schreien: „Ja!!!!!!!!“

4
Das Direktionszimmer, das ist der Raum, den ich bis heute wie ein ungeladener Gast mit frostigem Respekt betrete…