Aufwachen

 

1 Ein Aufwachen, ein Morgen, ein Licht. Ich arbeite nach meinen Kräften. Das Wichtigste zuerst. Das Zweitwichtigste gar nicht mehr.

2 Mein einsames Nexing im Frühjahr 2020: Fünf Wochen lang die 14 Teiche abschreiten. Sie umrunden und die Zwischenstege erkunden. Begleitet von Enten und zwei Graureiherpaaren. Einander ähnelnde Vogelstimmen hören. Wechselhaftes Wetter erleben. Die bewegten Spiegelungen betrachten. Tag für Tag die gleichen Wege nehmen. Das Auf- und Abblitzen der Blüten frühlingserweckter Bäume und Sträucher verfolgen. Einmal fährt ein leise knatterndes Boot über den großen Teich. Der Steuermann streut Fischfutter ins Wasser. Der Grannenkirschbaum mit seinen großwolkig duftenden Rosetten. Weit leuchtet er von einem Ufer zum anderen.

3 Der Freund kündigt sein Erwerbsarbeitsverhältnis. Gesundheitsanstalten fordern ihren Tribut. Aus dieser Erfahrung heraus und aus dem Wissen, dass nur im Gehen die Dinge ins Rollen kommen, wird er sich einen neuen Job als Teichgeher suchen. Oder als professioneller Pilger. Sein Plan wird aufgehen, weil er Sinn macht und weil dadurch das Aufstehen am Morgen zum reinen Vergnügen wird.

4 Wir stellen uns vor: Händewaschen ist Vorschrift – aber es ist kein Wasser da!

 

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