Nähe

1
gekitzelt werden

2
Wir wandern auf die Rax. Auf einen Thörlkopf. Ich komme ins Schwitzen beim Raufgehen und genieße das. Wir achten auf jeden Schritt und jede körperliche Regung. Wir teilen uns die Jause gut ein und die Luft, das Wasser. Wir schmecken alles sehr deutlich. Wir bewundern die Schneerosen und den Kalkstein und verstehen uns gut.  Alles, was dabei offen bleibt, vollendet der Gipfel.

3
Ein Mann mit Traktor arbeitet zwischen den Bäumen, sammelt abgeworfene Äste und morsche Holzstämme auf, lädt sie auf den Anhänger. Der starke Wind ist wohl der Grund dafür, dass wir zwei die einzigen Gäste unter diesen Bäumen sind. Ödön von Horvath-Angst hält alle anderen davon ab, hier einen Spaziergang zu machen. Wir leben in den Nachmittag hinein, wir drei.

4
Der Abend verspricht schön zu sein. Wir feiern 35 Jahre gemeinsamen Lebens. Er besteht darauf, dass ich es einmal erwähnt habe, dass er mein Lieblingsmensch sei. Ich kann mich daran erinnern. Es ist nicht wichtig für heute. Wir sitzen in der Abendsonne. Mit uns die Freude beim Anblick des verblühenden Gartens, des absterbenden Grüns. Die Freude an der Zweisamkeit im Haus, des in den Abend Hineinwachens, bis man müde wird und ins Bett geht und einschläft. Die Freude an den kleinen Handgriffen im Garten, ein paar Blumen einstellen, bevor sie endgültig verblühen, den Schnittlauch ein letztes Mal für heuer gießen. Die Erkenntnis, dass alles zu einer Anstrengung wird, wenn man es sich einmal vorgenommen hat, dran zu bleiben.

5
Ein ferner Bekannter hinterlässt eine Nachricht auf meiner Mailbox. Nachdem ich sie mir zweimal angehört habe, weiß ich, dass sie nicht für mich bestimmt ist. Seine Stimme klingt aufgeregt. Er bittet um dringenden Rückruf, mit seiner Frau stimme etwas nicht, es sei schlimm und er müsse mir zwei unaufschiebbare Fragen stellen. Ich rufe sofort zurück, um ihn über seinen Irrtum aufzuklären. Eine unvermutete Nähe stellt sich ein.

6
Jahrelang waren die beiden Matratzen vom Ehebett in unterschiedlicher Höhe eingerichtet. Jetzt hat sie sie auf gleiche Höhe gebracht. Eine neue Ära beginnt.

7
Es ist eine schöne Frage, die Du mir stellst, mir zu überlegen, wie ich mich im Laufe der gemeinsamen Jahre verändere.

8
Dieser Mensch ist Bewohner in mir,  ist meine Käseschmiere und mein Lebendigkeitselexier.

9
Wir haben schon so viel erlebt ohne einander.

 

 

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