Trost

1
Ich stehe zögernd auf der Schwelle und schaue, ob mein Schlüssel passt, für etwas, das in Vergessenheit geraten ist.

2
Auf meiner Autofahrt in die Arbeit singe ich, damit meine Stimmbänder nicht ganz verrosten. Ich singe Lieder aus meiner Erinnerung. Heute ist „Foah ma hoam…“ dran, die Gruppe Broadlahn hat es einmal interpretiert. Ab der Liedzeile, in der der Rauhreif auf der Wiese vor der Hütte besungen wird, beginne ich zu weinen. Es gibt momentan keinen Grund, den Tränen freien Lauf zu lassen. Alles ist gut, und trotzdem bringe ich keinen Ton über meine Lippen.

3
Mein Freund leidet sehr an der sozialen Isolierung. Einmal in der Woche kommt der Nachbar zu Besuch. Gott sei Dank. Den Rest der Woche  lebt er für und mit seinen Hühnern. Sie bedeuten Leben im Haus, Beschäftigung, vier frische Eier am Tag.

4
Ein rotes Blatt  – es stammt wohl von einer Dahlie– liegt am langen, grauen Krankenhausgang am Fußboden. Es entfaltet eine große Wirkung.

5
Nach dem Film stelle ich mir die Frage: Was ist richtig? Die volle Wahrheit bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu erfahren oder ein Darüberhinwegleben und –feiern? Der junge, chinesische Arzt im Film sagt einen erstaunlichen Satz: Ja, es ist eine Lüge, aber es ist eine gute Lüge!

6
Tanzen

7
Es ist nötig, die Angst der anderen zu teilen, selbst wenn man keine eigene Angst hätte. Es ist eine Form, sich der schlichten Schönheit des Zusammenhaltens im Aufgeschmissensein zu bedienen.

8
Die sterbenskranke Opernsängerin tröstet sich damit, dass sie sich eine wunderschöne Urne aus Meissener Porzellan gekauft hat. Darin will sie sich aufbewahrt wissen.

9
Sie verstand es, alles in Schönheit zu verwandeln. In Kunst zu verwandeln, ohne je von der Welt abgewandt zu sein. Die niederdrückendsten Selbstzweifel, Todesbetrübnis, Trauer, Angst vor der Gegenwart. Daraus wird das vertrocknete Blumenarrangement gegenüber, im Fenster zum engen Lichthof. Die erste Schwalbe des Sommers. Die berauschende Lektüre. Die Ekstase des Schreibens selbst. Kunst muss erschüttern, sonst ist es mit dem Trost nicht weit her, sagte sie. Sie sprach vom Denkflattern von der Schädelfreude, vom Hirnwunder, von der Kopfheiligkeit.

10
Ich bete liebend gerne mit dem Kopf in den Sand. Ich will nichts sehen und hören, ich will, dass alles harmonisch und im Lot ist. Ich bete natürlich, weil ich liebe. Lass es nie aufhören!

11
Mir geht durch den Kopf, wie gut es ist, Kinder zu haben.

 

 

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