Vernunft

1
Lena fragt, ob ich es für vernünftig halte, dass sie in nahezu jedes Gespräch fällt, das sie führt. Ohne Bekümmernis.Sei es mit der Kassiererin im Supermarkt oder mit dem Schwerbetagten am  Krankenbett. Das koste sie allerdings mehr Energie, als ihr zur Verfügung stehe.

2
Der Blick ins leere Klassenzimmer – die Lehrperson allein am Pult, vorm PC. Jede*r Schüler*in ist nicht mehr als eine Kachel im Onlinemeeting. Was die Gesellschaft alles dafür tut, dass es auf den Intensivstationen nicht zu einem Kollaps kommt! Man merkt es an den erhobenen Häuptern des Intensivpersonals.

3
Der Goaschnig Sepp hält es nicht aus, wenn Holzreisige oder Holzzweige über Kreuz auf dem Waldboden herumliegen. Immer richtet er sie gerade und fordert auch andere dazu auf, es ihm gleichzutun. „Das bringt Unglück. Oder mindestens einen Toten mehr!“, so seine Begründung.
Im Radio hör ich den Philosophen darüber sprechen, ob eine völlig versachlichte Welt ohne Glauben und Geheimnis, ohne Alltagsmythen und Irrationalität wirklich so lebenswert sei. Die beiden könnten Freunde werden.

4
Auf die Natur Rücksicht nehmen, das ist eine neue Erfahrung!

5
Ich kenn da jemanden,
der in der Stadt am Meer
das eigene Logo auf den Betonzaun an der Uferpromenade malt –  direkt unter der Webcam –, um in Zeiten der Ferne, daheim über Internet zu überprüfen, ob das Logo noch da ist.

 

 

 

 

 

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