Glanz


1
Ich liebe den Glanz, dies wird mein Teil jetzt im Leben…
Hell, strahlend und schön: dem füg ich mich,
weil ich die Sonne liebe.  SAPHO

2
Da legen wir noch etwas Gold auf, mehr Gold noch!  
Ich kenn da jemanden, der trägt Sommer wie Winter keine Socken. Jetzt, mit sich einnistendem Rheuma, nimmt das bei ihm schmerzhaft bewegungseinschränkende Ausmaße an. Unlängst hab ich aus diesem Grund eine Sockenanziehhilfe für ihn gekauft. Er wird sie wohl nicht verwenden, eine Ausrede dafür finden. Sich bedingungsadäquat anzuziehen ist zu zeitaufwendig. Seine ganze Energie fließt in anderes. Der Körper stört, es sei denn, er unterstützt seine Sache. Seine Sache ist, große, alte Häuser zu retten, sie wiederaufzubauen. Seine Sache ist, alten sakralen Gegenständen einen neuen Glanz zu verleihen. Seine Sache ist, Geschichten zu erzählen, die Geschichten der Gegenstände und Geschichten der Dorfnarren. Seine Sache ist, alte Musik zu hören und seine Sache ist, offenen Auges übers Land zu fahren. Seine Sache ist, guten Wein zu genießen. Seine Sache ist der romantisch leidenschaftliche Blick auf die Welt. Seine Sache ist der große Wurf.
Wie verrückt ist in Anbetracht all dessen eine Sockenanziehhilfe!

3
Der Gedanke, einen Menschen so lange anzusehen, bis er glänzt, der gefällt mir besonders gut.

4
Ich umgebe mich in den komplizierten Tagen meines Lebens mit angenehmen Menschen, kann ich sie nicht sehen, telefoniere ich mit ihnen, kann ich nicht telefonieren, schreibe ich einen Brief, kann ich keinen Brief schreiben, denke ich an sie, kann ich nicht an sie denken, legt sich Glanz über meinen Zustand.

5
Grabe, wo du bist.

6
Heute reicht es, dass das weiße Licht der Jännersonne mich überrascht, wie es auf das Dach vor meinem Fenster fällt und meine Sinne weit öffnet.

 

 

 

 

 

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