Wien im Herbst


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Hafenkneipe

Handelnde Personen:

  • Erster Gast, an der Bar stehend
  • Zweiter Gast, an der Bar lehnend
  • Dritter Gast, an einem Tisch nahe der Bar sitzend
  • Renate, Kellnerin
  • Porschebesitzer, im Gastgarten sitzend
  • Ich, mit dem Rad an der Hafenkneipe Rast machend
  • Reisegefährte, alles beobachtend

In der Hafenkneipe gilt Selbstbedienung. Aus diesem Grund gehe ich ins Innere des Lokals, um zu bestellen.

Renate: Bitte?

Ich: Ein Achtel Wein, ein kleines Soda, ein großes Bier und eine Käsekrainer, scharf, bitte.

Renate: Nicht so schnell!

Ich, langsam: Ein Achtel …

Renate: Vom Guten?

Ich, irritiert und zum ersten Gast gewandt: Vom Guten? Vom Schlechten? Was soll ich darauf sagen?

Erster Gast, mit dem Zeigefinger an den Lippen flüsternd: Nicht viel sagen, am besten nix sagen!

Renate beginnt in der Zwischenzeit, meine Bestellung herzurichten: Sie haben Glück, ich hab noch zwei Käsekrainer. Wollen Sie nicht beide nehmen?

Ich: Danke, nein, mir reicht eine. Aber der Porsche draußen vor der Tür interessiert mich. Wem gehört er denn?

Renate, ein wenig abwertend und auf einen Gast im Gastgarten deutend: Dem da draußen!

Ich: Gut, dann muss ich mir den da anlachen!

Renate: Das nutzt nix, der ist schon fix vergeben. Hab’s auch schon versucht.

Ich: Ich will ja nur eine Runde mit dem Porsche drehen.

Zweiter Gast: Da werden Sie kein Glück haben.

Somit ist das Thema für mich wohl abgehandelt. Renate hantiert weiter mit einer Bouteille vom Guten.

Ich, leicht anbiedernd: Kann man hier ein Zimmer nehmen? Es gefällt mir bei euch!

Dritter Gast: Nein, das ist reines Industriegebiet. Die nächsten Zimmer gibt’s in Mannswörth.

Erster Gast: Wenn Sie allerdings am letzten Zimmer interessiert sind, dann sind Sie hier richtig. Das gibt’s hier schon.

Ich: Ja, hab schon gehört, der Friedhof der Namenlosen ist ja ganz in der Nähe.

Zweiter Gast: Da war ich noch nie, obwohl ich so oft in der Hafenkneipe bin.

Erster Gast: Dort ist eine ganz besondere Stimmung. Musst mal hinschauen, ganz außergewöhnlich …

Renate, inzwischen fertig mit ihren Verrichtungen: So, lassen Sie’s sich schmecken!

Ich nehme an unserem Tisch im Gastgarten Platz und genieße ein wirklich gutes Achtel Wein und eine halb eingetrocknete Käsekrainer. Es war ja schon 14 Uhr, der Mittagstisch längst vorbei. Die Atmosphäre ist hervorragend. Der Gast mit dem Porsche verlässt vor uns die Kneipe und dreht beim Wegfahren, wie im Film, so richtig laut auf und beschleunigt auf 280 oder so ähnlich. Ein einzelner ÖBB-Waggon fährt hinter der Kneipe langsam vorbei. Dahinter hört man die Donau leicht plätschern. Es riecht ausnahmsweise nach Ölhafen und nach Wasser.

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Zwei weitere Lokalempfehlungen für die Hafenfreundin:


Donauweibchen

Mohr im Hemd und Cappuccino, wie er früher an Autobahnraststätten geschmeckt hat: aus einer schon lange nicht mehr geputzten Kaffeemaschine. Der Ausblick ist hervorragend. Rund um das Containerlokal blühen bunte Blumen in Kisten. Frisch ausgepflanzte Feigen-, Apfel- und Pfirsichbäumchen zieren die Böschung. Der Bus hält direkt vor dem Lokal, und die Lkws donnern über die Hafenzufahrtsstraße.

Donauinselspitz

Wanderer- und Radlertreff.
Die Hüttenwirtin spielt mit dem Handy. Es bildet sich schon eine Schlange, bevor sie endlich den Kopf hebt, um nach den kulinarischen Wünschen zu fragen. Speckbrot und Schmalzbrot mit Salzgurken schmecken vorzüglich. Der Sommerspritzer ist spritzig, kalt und ebenfalls mit „dem Guten“ zubereitet.

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Zum Lidl bei der U-Bahn-Station Zippererstraße zu gehen, erfordert Mut.

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